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Scheiblich A., Petzold, Orth-Petzold: Mehrfachabhängigkeit - Gewalt - Prozesstransparenz, 02.2016 Drucken

Behandlungs & Supervisions-Journale: Materialien aus der Europäischen Akademie für biopsychosoziale Gesundheit


Ausgabe 02/2016

Integrative Behandlung eines Mannes mit einer
Mehrfachabhängigkeit und hohem Gewaltpotential im
Rahmen einer ambulanten Rehabilitation unter Substitution

Andrea Scheiblich, Köln

Mit einem Nachwort zu Theoriegeleiteter Arbeit und Prozesstransparenz in der Integrativen Therapie im Kontext „Sozialtherapie Sucht“
Hilarion G. Petzold, Susanne Orth-Petzold, Hückeswagen
beraten von Johanna Sieper, Bad Neuenahr


Zusammenfassung: Integrative Behandlung eines Mannes mit einer Mehrfachabhängigkeit und hohem Gewaltpotential im Rahmen einer ambulanten Rehabilitation unter Substitution.
Anhand einer Prozessdokumentation wird die integrativtherapeutische longitudinale Karrierebegleitung eines Patienten mit dissozialer und „narzisstischer“ Selbstwert-Störung und Polytox-Suchtproblematik dargestellt. Dieses Behandlungsjournal beschreibt die sequentielle Karrierebegleitung eines politoxikomanen Mannes unter Substitution auf den „4 Wegen der Heilung und Förderung“ auf der Basis der Integrativen Therapie und unter Verwendung ihrer Methodik. Die Praxis ist jeweils mit konzeptuellen und  theoretischen Exkursen fundiert.

Schlüsselwörter: Prozessdokumentation, longitudinale Karrierebegleitung, Politoxikomanie, 4 Wege der Heilung und Förderung, Integrative Therapie


Summary: Integrated treatment of polytoxicomanic man with many criminal acts in a substitution-program
By means of a documented treatment process this treatment journal describes sequences of a longitudinal support of a polytoxicomanic man with dissocial and “narcissistic” disorders, selfvalue problems, and a polyltox-addiction. This treatment journal describes a sequential escorting of the polytoxicomanic patient’s career on the “4 pathways of healing and fostering” based on Integrative Therapy and its methods. The practice described is illustrated by substantiating conceptual and theoretical excursions.

Keywords: Process Documentation, sequences of longitudinal support, polytoxicomania, 4 ways of healing and fostering, Integrative Therapy


Zum Nachwort
Zusammenfassung: Theoriegeleiteter Praxis und Prozesstransparenz in der Integrativen Therapie im Kontext „Sozialtherapie Sucht“
In dieser Arbeit wird dem Thema der Prozessdokumentation von Behandlungen im Bereich der Suchttherapie nachgegangen. Fragen der Transparenz, der Mitwirkung von Patienten, zu einer Therapie, die „Menschen gerecht wird“, „just therapy“, werden diskutiert weiterhin der Qualitätssicherung auf dem Boden der Integrativen Theorienbildung.

Schlüsselwörter: Prozessdokumentation/Behandlungsjournale, Transparenz, Gerechte Therapie, Integrative Therapie, Soziotherapie-der Sucht


Summary: Theory guided practice and process-transparency in Integrative Therapy for the context of “social therapy of addiction”
In this chapter the topic of documentation of treatment processes is expounded for the area  of addiction therapy. The questions of transparency, of cooperative participation of the patients and a therapy, that is „doing justice to people“, „just therapy“ and moreover of quality assurance are discussed on the basis of Integrative Theory.

Keywords: Process Documentation/Treatment Journals, Transparency, Just Therapy, Integrative Therapy, Social therapy of Addiction
 

Diese Arbeit wurde in den Polylogen publiziert – über diesen Link bitte downloaden:
http://www.fpi-publikation.de/polyloge/alle-ausgaben/04-2016-scheiblich-a-petzold-orth-petzold-mehrfachabhaengigkeit-gewalt-prozesstransparenz.html

 

 

Der Downloadbereich der Behandlungsjournale ist passwortgeschützt. Falls Sie Zugang zu den BehandlungsJournalen wünschen, melden Sie sich bitte direkt beim Fritz Perls Institut:e-mail: Diese E-Mail Adresse ist gegen Spam Bots geschützt, Sie müssen Javascript aktivieren, damit Sie es sehen können , Telefon: 0049 (0) 2192 858 0. Zugang zu den Behandlungsjournalen haben Ausbildungkandidaten und Therapeuten des FPI sowie Therapieforscher.


Die Behandlungsjournale sind eine Ausbildungsleistung, die für den Abschluss von EAG/FPI-Ausbildungen neben der Graduierungs-, Diplom- oder Magister-Arbeit erarbeitet werden müssen. Sie dienen dazu, Behandlungs- und Beratungsprozesse aus der praktischen Arbeit der AbsolventInnen theoriegeleitet darzustellen. Die "Prozesse" (es wird der verdinglichende Term "Fallberichte" auf diese Weise ersetzt) sollen die Arbeit mit PatientInnen bzw. KlientInnen vom Erstkontakt über die Standarddiagnostik (ICD-10, DSM-IV), die verfahrensspezifische Diagnostik, die Behandlungsplanung und -durchführung dokumentieren. Auf diese Weise soll eine "Praxisbibliothek" aufgebaut werden, die es ermöglicht, die Anwendung des Verfahrens der Integrativen Therapie und ihrer Methoden nachzuvollziehen. Den Praktikern werden damit Informationen zugänglich, wie man mit spezifischen Störungsbildern, sozialen Konstellationen und prekären Lebenslagen umgehen kann. Wege der "prozessualen Diagnostik" werden genauso erschlossen wie der Einsatz von Methoden, Techniken und Medien. Die "Wege der Heilung und Förderung" und die in ihnen zur Anwendung kommenden "Modalitäten" sowie die "vierzehn Heilfaktoren" (protektive Faktoren und Resilienzen) werden überschaubar gemacht. Die therapeutische Hypothesenbildung, der Umgang mit Risiko- und Belastungsfaktoren, die Bearbeitung pathogener Stimulierung (Defizite, Traumata, Störungen, Konflikte) kann so vom Leser/von der Leserin nachvollzogen werden, sodass sie für die eigene therapeutische Praxis nützlich werden können.
Die Materialien sind anonymisiert worden und wurden von den PatientInnen/KlientInnen für die Internet-Publikation freigegeben.

Wir hoffen, dass die BehandlungsJournale zur Erweiterung und Fundierung des "klinischen Body of Knowledge" beitragen. In der Regel wird die nachstehende Anleitung für die Erstellung von BehandlungsJournalen zugrunde gelegt:


Anleitung zur Erstellung von Behandlungsjournalen für AusbildungskandidatInnen von EAG/FPI


Der Behandlungsbericht soll dokumentieren, daß der Kandidat eine integrative Behandlung im "dyadischen Setting" (Einzeltherapie) aufgrund von Anamnese, Diagnose/Theragnose, konsensueller Zielvereinbarung, Therapieplanung in einem therapeutischen Rahmencurriculum lege artis durchgeführt hat. Der Behandlungsbericht soll wie folgt aufgebaut sein:

1. Feststellen des Hilfeersuchen und der Erwartungen des Patienten/der Patientin an die Behandlung (expliziter und impliziter Auftrag)

2. Diagnose nach ICD-10 bzw. DSM-4

3. Biographische Anamnese

4. Karriereanamnese

5. Prozeßdiagnostische Erhebung (vgl. Petzold 1993p; Petzold, Osten 1998; Osten 2000) mit Lebensweltanalyse, Netzwerkanalyse, Leibfunktionsanalyse. Probleme, Ressourcen, Potentiale (PRP), Identitätsbereiche usw. müssen exploriert werden.

6. Aetiologische Ueberlegungen (zur Genesetheorie, Belastungsfaktoren, Defiziten, aber auch zu protektiven Faktoren, Resilienzen, zu Kontinuitäten und Diskontinuitäten im Lebenslauf) begründen den Behandlungsplan bzw. ein therapeutisches Rahmencurriculum, in dem Probleme, Ressourcen und Potentiale erhoben und differenzierte Ziele und Inhalte erarbeitet werden (Petzold, Leuenberger, Steffan 1998) mit den "Patienten als Partner" (Petzold, Orth 1999, 363)

7. Behandlungsverlauf dokumentiert durch folgende Aspekte:
I. Prozeß des Patienten (Viation I): Uebertragung, Widerstände, Kontakt, Begegnung, Beziehung, Bindung, Abwehrvorgänge, Kooporationsformen, Ressourcenaktivierungen, Motivation, persönliche Zielsetzungen und Zielrealisierungen, Rollenangebote, Netzwerke, Einbezug von "social worlds".
II. Strategien des Therapeuten (Trajekt): Wege der Heilung und Förderung (1-4), 14 Heilfaktoren (welche Faktorenkombination eingesetzt wurden und dies begründen, vgl. Petzold 1993p), Auswahl und Einsatz von Methoden, Techniken, Medien und Modalitäten (Petzold 1993h), Bearbeitung von Pathogenesefaktoren und Nutzung von Salutogenesefaktoren (Petzold, Steffan 2000), Analyse und Neubewertung von Ressourcen, Selbstwirksamkeit, Kontrollüberzeugungen; Nutzung zentraler Behandlungsstrategien; Vereinbarung von kurzfristigen, mittelfristigen, langfristigen Therapiezielen; Planung und Beobachtung des Behandlungsverlaufs; prozessuale Bestimmung der Behandlungsziele an Hand der festgestellten Probleme, Defizite, aber auch der Potentiale und Ressourcen.
III. Die Prozesse des Therapeuten (Viation II): Uebertragung/Gegenübertragung, partielles Engagement und selektive Offenheit, Involvierung, Metareflexion, genderspezifische Reaktionen, Belastungen, angetönte eigene Themen, Antwort auf Rollenangebote, Definition der eigenen Rolle, eventuelle Bezüge zu anderen laufenden Therapien, Netzwerke im Bezug, Einbezug von "social worlds", Ressourcenlage.

8. Therapieverlauf, Darstellung der Beziehungsdynamik, der Kooporation, der Foki, die behandelt werden (Petzold 1993p), Fokusrotation, Schwierigkeiten, Probleme und Krisen, positive Entwicklungen und Erfolge, Transferarbeit, d.h. Vorbereitung und Begleitung der Umsetzung von Erkenntnissen und Entscheidungen, Transferbegleitung, Wirkung ins soziale Netzwerk, Einbezug des sozialen Netzwerkes.

9. Traumabearbeitung, Trauerarbeit (Simplex-, Duplex-, Triplexniveau, Petzold 1988n, 233f), Kontrollüberzeugungen und Attributionen, kognitive und emotionale Umwertungen, Modifikation devianter Wertewelten und toxischer Ueberich-Strukturen).

10. Flankierende Maßnahmen "bimodaler Therapie" (Entspannungs- und Lauftherapie, Ergotherapie, Bildungsangebote).

11. Abschluß, Ergebnisse, katamnestisches Nachgespräch.

12. Vorbereitung der Beendigung.

13. Abschluss

14. Hilfen bei einer event. Epikrisis

Die Darstellung soll immer wieder mit Bezug auf die relevante Literatur des Integrativen Ansatzes, der klinischen Psychologie und angrenzender relevanter Disziplinen theoretisch reflektiert und kommentiert werden.

www.fpi-publikation.de/journale
Herausgegeben durch den Prüfungsausschuss der Europäischen Akademie für biopsychosoziale Gesundheit:
Univ.-Prof. Dr. mult. Hilarion Petzold
Dr. Waldemar Schuch, MA
Prof. Dr. phil. Johanna Sieper

© FPI-Publikationen, Verlag Petzold + Sieper Hückeswagen. Redaktion: Prof. Dr. phil. Johanna Sieper, Fritz Perls Institut, Wefelsen 5, 42499 Hückeswagen
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  Donnerstag, 23. November 2017
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