11/2003 (2003a), Eichert H.-C., Petzold H.G.: Supervision und innerinstitutionelle Schweigepflicht

Zusammenfassung:
Dieser Artikel befasst sich mit verschiedenen Aspekten der Schweigepflicht in Zusammenhang mit Supervision. Zunächst werden die rechtlichen Grundlagen von Datenschutz und Schweigepflicht dargelegt und auf verschiedene Institutionsformen in der Psychiatrie angewandt, wobei insbesondere die innerinstitutionelle Schweigepflicht sowie die konkludente Einwilligung in die Weitergabe von Daten und Geheimnissen problematisiert wird.
Im Weiteren wird das Thema der Schweigepflicht von SupervisandenInnen und SupervisorenInnen im Rahmen von Supervision unter besonderer Berücksichtigung der unterschiedlichen rechtlichen Stellung von SupervisorenInnen in Institutionen behandelt. In allen Fällen ist grundsätzlich von einer Schweigepflicht auszugehen, die nur durch ausdrückliche schriftliche oder mündliche Entbindung durch die Betroffenen aufgehoben werden kann.
Die Annahme von mutmaßlicher Einwilligung in die Weitergabe von Daten und Geheimnissen oder Einwilligung durch konkludentes Handeln ist grundsätzlich fragwürdig. Auch die Anonymisierung von PatientenInnen-Daten setzt nicht die Schweigepflicht außer Kraft. Der Autor (HC Eichert) plädiert für größtmögliche Offenheit gegenüber PatientenInnen. Außerdem wird die explizite Aufnahme von SupervisorenInnen in den Kreis der in § 203 StGB genannten Berufsgruppen angeregt.

Summary:
This essay deals with different aspects of professional secrecy in context of supervision. First the legal basis of data protection and professional secrecy are explained and applied on differ-ent kinds of institutions in psychiatry, especially discussing the inner-institutional profes-sional secrecy and the concludent consent in passing on personal data and secrets.
Further the professional secrecy of supervisands and supervisors in context of supervision is discussed especially under aspects of different legal positions of supervisors in different institutions. On principle in all cases we have to confirm a professional secrecy, which can only be abolished by explicit verbal or written consent in passing on personal data or secrets by the clients.
The assumption of presumable consent or consent by concludent act is on principle doubtful. Also the anonymization of personal client-data does not abolish the professional secrecy. The author demands greatest possible openness with clients. In addition the explicit admission of supervisors into the group of occupations, which are listed in § 203 StGB, is suggested.


Key words: professional secrecy, data protection, legal basis of data protection, psychiatry

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