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03/2017, Petzold H.G. (2002j / 2017): Der „ informierte Leib“ - ,,embodied and embedded“… Drucken

POLYLOGE
Materialien aus der Europäischen Akademie für biopsychosoziale Gesundheit
Eine Internetzeitschrift für „Integrative Therapie“  - ISSN 2511-2732 -


Ausgabe 03/2017

Der „ informierte Leib“ - ,,embodied and embedded“ - Leibgedächtnis und performative Synchronisationen


Hilarion G. Petzold
(Neueinstellung von 2002j/2017)



Zusammenfassung: Der „ informierte Leib" - ,,embodied and embedded" - Leibgedächtnis und performative Synchronisationen
Der vorliegende Text stellt eine zentrale Grundlage der Integrativen Therapie dar: das Kernkonzept des „informierten Leibes“. Darunter sind die neurowissenschaftlichen bzw. neurobiologischen Prozesse von Lernen und Gedächtnis, von Fühlen (emotion), Denken (cognition), Wollen (volition), Handeln (action), Kommunizieren (communication) zu verstehen, die „leibhaftig“ in neuronalen und immunologischen Prozessen der „Regulationskompetenz und -performanz“ stattfinden durch Genexpression, Genregulationen, Bahnungen stattfinden. Diese komplexen Vorgänge haben Neurowissenschaftler, Physiologen, Neuropsychologen wie Anokhin, Bernstein, Lurija, Ukhtomskij in Russland und Kandel, Damasio, Edelman, LeDoux, Freeman im angloamerikanischen Raum – to name just a few – zu erschließen begonnen und durch die Arbeit in diesem akzeleriert exspandieren Feld werden Grundlagen für die Psychotherapie erschlossen, die sich stets bei ihrer Arbeit fragen muß: „Was geschieht auf der Ebene des Gehirns und seines Körpers?“, aber auch „Was geschieht auf der Ebene des seiner selbst bewussten, soziokulturell eingebetteten Subjekts? – Die Fragen des „Body-Mind-Subjects embodied and embedded“ sind zu reflektieren. Durch Wahrnehmung und Verarbeitungsprozesse von Wahrgenommenem wird der Leib durch das soziokulturelle und ökologische Umfeld „informiert“ bilden sich neuronale Strukturen, wie die russische Schule (Vygotky u.a.) betont, wurde das Gehirn im evolutionären Prozess ein „social brain“. Evolutionsbiologische und -psychologische Überlegungen sind bedeutsam. Gleichzeitig ist es der ganze, leibhaftig in der Welt anwesende Mensch, der informiert wird, das Leibsubjekt, eingebettet in die menschliche Kultur. Mensch und Kultur sind [mehr und] etwas anderes als „Neurobiologie“ pur. Die Emergenzprozesse des „informierten Leibes“ sind grundlegend für Bewusstsein, Selbsterleben, Kultur, dürfen aber nicht mit diesen Phänomenen gleich gesetzt werden, wenn man nicht in Kategorienfehler laufen will, wie sie heute üblich sind (Roth, Grawe, Singer u. a.). Die Frage der Verbindung von neurowissenschaftlicher und phänomenologisch-hermeneutischer Leibtheorie stellt sich also einer „Integrativen Humantherapie“, die nicht mehr nur Psychotherapie sein kann. Es geht darum unterschiedliche Diskurse: den neurobiologischen, den phänomenologisch-hermeneutischen und den psychologischen (den klinisch-, entwicklungs-, sozialpsychologischen), den kulturalistischen (Kunst, Literatur, Geschichte) Diskurs aneinander anzunähern, denn sie sind eigenständig und lassen sich nicht auseinander vollends erklären oder ineinander auflösen, wie Ricœur gezeigt hat. Psychotherapeutische Prozesse stehen in diesen Annäherungsvorgängen und sind durch sie bestimmt. Sie müssen Menschen helfen, dysfunktionale neurophysiologische Prozesse neu zu bahnen und sie dabei unterstützen, sich und die Anderen, die Welt besser zu verstehen, Sinn für sich und ihr Leben mit ihren Mitmenschen zu finden vor dem Hintergrund des komplexen soziokulturellen Geschehens einer transversalen Moderne und der beständig fortschreitenden Wissens- und Erkenntnisströme, in denen wir Menschen uns allmählich immer umfassenderer zu verstehen beginnen – und hier sind wir erst in den Anfängen und eine Humantherapie hat noch viele verändernde Erkenntnisse zu erwarten. Ein vorsichtiges Voranschreiten ohne vereinseitigenden oder reduktionistischen Festschreibungen wird deshalb notwendig. Aspekte einer solchen therapeutischen Theorie und Praxis zeigt dieser Text auf.

Schlüsselwörter: Körper Psychotherapie, informierte Leib, Integrative Therapie,  Neurowissenschaften,  Neuromotorik


Summary: The “Informed Body" –“embodied and embedded" – Body Memory and Performative Synchronisations
This text is reflecting on the core concept of integrative therapy: the concept of the „informed body“, informed by perception and the neuronal and immunological processing of perceptive and brain generated information. The core question of therapeutic processes is: What happens on the brain level and on the level of the brains’s body by gene expressions, gene regulations, neuronal anatomy and transmitter activity. But also: What happens on the level of the selfreflexive socioculturally embedded subject? Regulation competence and performance of the biological body and its mind “embodied and embedded” are here core concepts, for the human subject, the “body subject” is not just neurophysiology, it is a self conscious being developped by sociocultural processes throughout hominid evolution. Thus the neurobiologic und the phenomenologic-hermeneutic discourses of the informed und the selfconscious body, of biological and cultural sciences have to be interconnected, without trying to dissolve one in the other or to advocate reductionistic, onesided solutions. The developments of the neurosciences are asking for a new vision of therapy, for an integrative und differentiating understanding and therapy of the human being. Man like Anokhin and Lurija, Kandel and Damasio have opened new pathways which we will have to develop in therapy without advocating easy, reductionistic and fast solutions. We are just beginning new lines of development in a growing process of research and discovery. This text is showing some steps the integrative approach is taking.

Keywords: Body psychotherapy, informed body, Integrative Therapy, Neurosciences, Neuromotorics



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Univ.-Prof. Dr. mult. Hilarion G. Petzold, Europäische Akademie für biopsychosoziale Gesundheit, Hückeswagen, Donau-Universität Krems, Institut St. Denis, Paris, emer. Freie Universität Amsterdam

In Verbindung mit:

Dr. med. Dietrich Eck, Dipl.-Psych., Hamburg, Europäische Akademie für biopsychosoziale Gesundheit, Hückeswagen
Univ.-Prof. Dr. phil. (emer.) Liliana Igrić, Universität Zagreb
Univ.-Prof. Dr. phil. (emer.) Nitza Katz-Bernstein, Universität Dortmund
Univ.-Prof. Dr. med. (emer.) Anton Leitner, Department für Psychotherapie und Biopsychosoziale Gesundheit, Donau-Universität Krems
Dipl.-Päd. Bruno Metzmacher, Europäische Akademie für biopsychosoziale Gesundheit, Hückeswagen
Lic. phil. Lotti Müller, MSc., Psychiatrische Universitätsklinik Zürich, Stiftung Europäische Akademie für biopsychosoziale Gesundheit, Rorschach
Dipl.-Sup. Ilse Orth, MSc., Europäische Akademie für biopsychosoziale Gesundheit, Hückeswagen
PD Dr. Sylvie Petitjean, Universität  Basel 
Prof. Dr. päd. Waldemar Schuch, M.A., Department für Psychotherapie und Biopsychosoziale Gesundheit, Donau-Universität Krems, Europäische Akademie für biopsychosoziale Gesundheit, Hückeswagen
Prof. Dr. phil. Johanna Sieper, Institut St. Denis, Paris, Europäische Akademie für biopsychosoziale Gesundheit, Hückeswagen

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