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EDITION DONAU-UNIVERSITÄT KREMS
INTEGRATIVE THERAPIE
Zeitschrift für vergleichende Psychotherapie und Methodenintegration
Aus Heft 2003, 3-4 Themenschwerpunkt: Sándor Ferenczi
Seite 330 – 340

Von Freud zu Ferenczi: Ein verschobener Anfang

Monique Schneider


Zusammenfassung: Von Freud zu Ferenczi: Ein verschobener Anfang
Die im III. Band der „Correspondance. 1920-1933. Les annees douloureuses“ (Paris 2000) zwischen Freud und Ferenczi zutage tretenden Spannungen lassen die Dilemmata wiederaufleben, mit denen Freud während der Konstitutionsphase der Psychoanalyse unmittelbar konfrontiert war. In einer gewissen Weise gleicht die Entstehung der Psychoanalyse einem „doppelten Gründungsakt“, weil Freud zuerst die „materielle Realität“ zum traumatischen Faktor und zum Urheber der Neurose macht, um hernach die „psychische Realität“, die ödipalen Wünsche und Phantasien, für die Pathogenese der Psychoneurosen herauszustreichen. Etwa ab 1910 beginnt der um eine wechselseitige Psychoanalyse bemühte Ferenczi eine innere Beziehung zwischen Freuds Symptomatik und der nur unzureichend durchgearbeiteten Krise mit Fließ herzustellen. Durch Ferenczis Theorie der narzisstischen Selbstspaltung können einige der inneren Ursachen für Freuds Unvermögen ermittelt werden, durch die Freud zeitlebens daran gehindert wurde, die traumatischen Szenen, die seinen Lebensweg begleitet haben, ernst zu nehmen. Eine dieser lebenspraktisch relevanten Szenen bezieht sich auf die Verletzung seines Kiefers. An mehreren Stellen seiner Briefe klingen diese peinigenden Kieferschmerzen an, so dass Ferenczi sich bemüßigt sieht, Freud seine psychoanalytische Hilfe anzubieten, die dieser ablehnt.

Schlüsselwörter:

Psychoanalyse des Sandór Ferenczi, Trauma, narzisstische Selbstspaltung, Korrespondenz zwischen Freud und Ferenczi


Summary: From Freud to Ferenczi: An adjourned commencement
In the third volume of the „Correspondance. 1920-1933. Les annees douloureuses“ (Paris 2000) between Freud and Ferenczi the strained relationship between the two of them during the phase of the constitution of psychoanalysis becomes rather clear. The formation of psychoanalysis can be described as a „double incorporation“. In the beginning, Freud made out the „material reality“ as the originator of neurosis. Later on from 1910, he pointed out the „psychic reality“ and the oedipal fantasies for the pathogenesis. Ferenczi, he was working out the concept of „mutual analysis“ at this time, made an relation from the symptoms that Freud had in his jawbone, and his unresolved crisis with Fließ. Ferenczi ’s theory of the narcissistic selfsplitting could clear up some of the inner reasons that Freud impedes to take seriously the traumatic scenes he experienced through his life. One of these scenes relates to the injury of his jawbone. Some places in his letters remind on the pain of the illness, that Ferenczi obliged to offer Freud his psychoanalytic aid, but Freud rejected this.

Keywords:

Psychoanalysis of Sandor Ferenczi, trauma, narcissistic selfsplitting, correspondence between Freud and Ferenczi

 

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